Als Trash-Fotografie noch subversiv war...

von Jim Zimmermann

EINE GLOSSE ZUR TRASH-FOTOGRAFIE,
VERFASST 1989 FÜR DAS FREIE RADIO FÜR STUTTGART

Lomo, Holga, Diana, Big Mini und Action Sampler: Wenn Sie jetzt denken, es beginne eine Sendung Über neue Computerprogramme zu Optimierung der linken oberen Ecke im Bildbearbeitungssprogramm - tja dann haben Sie sich geirrt. Genau das Gegenteil ist der Fall.
Sie haben sich in die beliebte Sendereihe "Andreas zeigt seine Urlaubsdias" im Freien Radio für Stuttgart eingeschaltet, die Kulturredaktion ist auf Sendung.

Was ist das Gegenteil von lebloser Computerperfektion? Schnappschuss, Dilletantismus, Lochkamera? Nun die Lochkamera ist schon wieder etwas für Spezialisten und Tüftler.

Es geht um Trash, Müll, Schrott, um die Ästhetik des Schlampigen, Ich möchte ein paar Überlegungen anstellen, warum ausgerechnet im Zeitalter der Hyperdigitalisierung der Fotografie und der klinisch reinen Reklame von Saubermenschen, die uns Unterhosen und Parfum verkaufen, warum sich gerade hier ein wachsender Teil - nicht nur der Jugend - einer ganz anderen Ästhetik zuwendet und mit Billigstkameras, verwackelten Sujets und kitschigen Farben den Alltag ablichtet und die Banalität dieses Alltags garnicht banal sondern aufregend findet, wenn sie erst mal fotografiert worden ist.

Doch erfunden wurde diese Sichtweise nicht von den Lomographen: Bereits Jahrzehnte vor Lomo wurde die Unmittelbarkeit des ungestalteten Schnappschusses zur Kunst entwickelt. Mir fallen so unterschiedliche Menschen ein wie der siebzigjährige amerikanische Fotograf William Klein oder der in Stuttgart lebende Fotograf und Fotolehrer Volker Schöbel und aus den 70er Jahren die Herausgeber einer subversiven Zeitung namens Volksfoto.

Alles um uns herum landet letztlich in einer Fotografie. Da das fotografieren so belanglos und kinderleicht geworden ist, nehmen wir die Allgegenwärtiglkeit der Bilder nicht mehr bewusst wahr. Noch weniger machen wir uns Gedanken über die Wirkung der Fotoästhetik auf unser Denken und Fühlen, auf unseren Geschmack.
Susan Sontag meint in ihrem bekannten Buch über Fotografie, dass das Sehen die Tendenz hat, sich der Fotografie anzupassen. Das ist sehr einfach damit zu begründen, dass die Fotografie intuitiv immer noch für wahrhaftig, objektiv gehalten wird.

Die tausend Bilder, die wir täglich unbewusst aufnehmen, beeinflussen also unsere Auffassung von der Wirklichkeit, von der politisch-gesellschaftlichen, von der kulturellen Wirklichkeit.

Als die Begründer des Lomo - Kults 1991 zum erstenmal mit der kleinen sowjetischen Schwarzen auf ihren Partys herumknipsten, ohne durch den Sucher zu schauen, trafen sie den Zeitgeist im Nerv und traten eine Lawine los. Inzwischen gibt es zehntausende von Lomographen weltweit, die von ihrer Umwelt Fotos machen, welche von Dia-zeigenden Familienvätern sofort im Müll gelandet wären.

Ganz offenbar - und ich spreche jetzt nicht von der künstlerischen, sondern von der Gebrauchs - und der Amateurfotografie - nutzt sich das "schöne Bild", vor allem das widerspruchslose, elegante, glatte, schnell ab. Es spiegelt uns eine Welt vor, wie sie nicht ist. Wir wissen es "irgendwie", geniessen vielleicht kurzfristig die oberflächliche Schönheit, lassen uns aber doch verführen zum Kauf von Ware und, zur Zufriedenheit mit den Zuständen unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Wenn es nach den Wünschen der Foto- und Computerindustrie gehen soll und ihren Papagaien in den Redaktionen derjenigen Fotozeitschriften, die eigentlich Fotoapperatezeitschriften heißen müssten, dann beschäftigt sich der kreative junge Mensch heute damit, das Familienbild von Omas letzten Geburtstag ein wenig zu bearbeiten. Ein paar Falten an Omas Hals machen wir weg, damit die neue Kette besser zur Geltung kommt, so jetzt glänzt sie auch besser nach Gold. Mutti - sie beschwert sich regelmäßig am Diaabend, dass sie wieder zugenommen hat - wird etwas gestreckt und verschlankt. Onkel Friedrich, der Widerling, drängt sich ins Bild und macht sich neben Oma wichtig - mit ein paar Maßnahmen haben wir ihn durch Tante Frieda ersetzt, das fällt überhaupt nicht auf.
Auch bei den Urlaubsdias, die hinterher unweigerlich gezeigt werden müssen, verhelfen wir Mutti zur Kleidergröße 38 und krampfaderfreien Beinchen.
So war der Urlaub - fast wie bei der Bacardi-Reklame. Und Omas Geburtstagsparty entspricht jetzt schon viel mehr dem, wie wir sie uns gewünscht hatten. Alles auf die CD gebrannt und das Familienleben stimmt. Machen wir es mit dem Rest unseres Daseins doch genauso.

Natürlich gab zu allen Zeiten die Verschönerung und Glättung der Wirklichkeit in der Fotografie - im Privaten wir in der Öffentlichkeit - aber die nicht mehr erkenn- und nachvollziehbare, Manipulation eröffnet neue Dimensionen.

In dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass Leute genau das Gegenteil tun, sich mit völlig veralteter Technik (wie bei der Lomo), mit billigstem Plastikzeug, (wie bei der Holga und dem Action-Sampler) bewaffnen, drauflosknipsen und das unperfekt-brüchige schön finden, weil es lebt und zur Benutzung der Phantasie anregt.

Es war zu erwarten dass Japan auf die russich-österreichische Offensive antwortet und mit einer eigenen Produktion zurückschlägt.

Sie heißt Konica Big Mini und wurde von einem Teenager mit dem Künstlernamen Hiromix zum Kult erhoben. Es könnte natürlich auch sein, dass Konica das Mädchen zum Kult erhoben hat, um die unelektronische und unjapanische Vorherrschaft zu brechen. Auf jeden Fall möchte das Girlie-Wunder Hiomi Toshigawa jetzt Deutschland erobern. Das gerade in Deutschland auf den Markt gekommene Buch ist ihr drittes. Die Bilder benutzen die Schnappschuss-Ästhetik, aber sind genau überlegt und haben eine gewisse grafische Klarheit - gleichgültig, ob es Mamis Küchenvorhang oder ein melancholisches Großstadtpanorama ist.

Den Vogel in der Trash-Fotografie schießt jedoch eine billige Plastikschachtel namens HOLGA ab, die im Mittelformat (!) Bilder wie aus der Lochkamera schießt - sofern sie trifft.


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Über uns

Unter den Namen menschenfotografie.net, erotischefotografie.net, selbstfotografie.net und fetischfotografie.net hat sich ein Kreis von Fotografinnen und Fotografen gefunden die sich um das Thema Mensch in all seinen Facetten bemühen. Auf den Bildern und Videos sind meistens Menschen zu sehen: Im Portrait, im Akt, in Fetischdarstellungen, im Selbstbildnis, in Straßen-Szenen oder in inszenierten Geschichten und manchmal nur in Form von Spuren oder Eindrücken.


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Traumnovelle



Fenster zur Seele
Bilder, die Momente des Vertrauens offenbaren. BDSM hat viel Facetten, dementsprechend vielfältig sind die bildlichen Eindrücke - manche sind explizit andere implizit.
Eines haben jedoch alle Bilder gemeinsam. Sie erzählen Geschichten von Hingabe und Vertrauen und manchmal gewähren Sie einen Blick in das Fenster zur Seele.

Traumnovelle, eine Ausstellung der Künstlergruppe Bildgrund11 im Darkside Berlin.
Vernissage am 11. März 2016 um 20 Uhr

DarkSide, Nostitzstraße 30, 10965 Berlin



Das Plakat im A2 Format kann während der Veranstaltung käuflich erworben werden.


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Short Stories


Short Stories ist das aktuelle Projekt der Künstlergruppe Bildgrund11.

Neun Short Stories von neun Künstlern in einer schönen Box.
Jede Short Story ist ein ungewöhnliches, individuell gestaltetes Büchlein, viele sind aufwändig handgemacht oder handbearbeitet.

Ab Dezember 2015 gibt es die Möglichkeit die Edition in der Box und in Form eines Abonnements zu erwerben.
Im Januar wird dann monatlich (außer im Sommer, Juni-August) ein Buch geliefert und im November ist die Ausgabe komplett.

Die gesamte Künstleredition von bildgrund11 in der Box kostet als Subskriptionspreis 150,00 Euro, Inlandsversand inklusive.



Bestellung unter: Kata Maler
kata@finissage.de




























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Alice im Wunderland





Die 12 Kapitel sind hier als Buch erhältlich.

Alice im Wunderland

Maler Kapelle Königslutter


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Das Buch mit den besten Selfs von Bogi Bell gibt es hier zu kaufen


Selbstportraits
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Von Bogi Bell
Photo book



Bildgrund11 ist nun auch auf Facebook zu finden.

Kata Maler (30.09.2012)